AA - Amyloidose

Was ist „AMYLOIDOSE“?

In der Humanmedizin wurde der Begriff „Amyloidose“ von „Rudolf Virchow“ bereits im Jahr 1854 zum ersten Mal benutzte, als er atypisches Material in der Leber von Verstorbenen fand. Fälle dieser Krankheit werden aber schon mehr als 300 Jahren beschrieben. Allerdings hat man erst in den letzten 25 Jahren den genauen Aufbau und die Struktur der durch Amyloidose veränderten Eiweisse erforschen können.
Amyloidose selbst ist keine einzelne Krankheit, sondern ein krankhafter Ablagerungsprozess, der von unterschiedlichen Stoffwechseldefekten, wie z.B. „Shar Pei Fieber“, ausgelöst wird und - je nach betroffenem Organ - zu verschiedenen chronischen Erkrankungen führen kann. Der Amyloidose liegt eine Störung des Proteinstoffwechsels zu Grunde.

Als Amyloidose bezeichnet man die Ablagerungen und Anreicherungen von abnorm veränderten Proteinen, umgangssprachlich auch Eiweisse genannt, die im Zwischengewebe, also außerhalb der Zellen stattfinden. Diese unlöslichen Ablagerungen, man nennt sie auch "Corpora amylacea", liegen in Form von Fibrillen vor und werden als Amyloid (abnorm veränderte Proteine) bezeichnet.
Steigen die üblicherweise im Blutserum nachweisbaren Proteine (Blutuntersuchung) in ihrer Konzentration an, so gelangen diese Eiweisse auch in das umgebende Gewebe. Dort werden sie durch Enzyme angegriffen. Es bilden sich hierdurch die unlöslichen Ablagerungen (mikroskopisch kleine Fasern) in den Organen. Auslöser für diese Vorgänge sind Fieberepisoden (akute-Phasen) mit hohen Temperaturen von 41,0° bis 42,0° C !
Da die Fibrillen gegenüber den Abwehrmechanismen resistent sind, können sie nicht mehr entfernt werden. Nach aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen können jedoch Vorläuferproteine der Eiweissablagerungen, der Fibrillen, reduziert werden!

Zitat aus „Generalisierte Amyloidose bei einer Shar-Pei-Zuchthündin“
- Dr. K. Kamenica und Prof. Dr. W. Hermanns aus dem Institut für Tierpathologie (Vorstand: Prof. Dr. W. Hermanns) der Ludwig-Maximilians-Universitaet München.
Ich weise ausdrücklich darauf hin, dass das Copyright des vorgenannten Berichtes bei dem Verlag der Schattauer GmbH liegt!
Amyloidosen sind Krankheitsbilder, die auf der extrazellulären Ablagerung von Proteinen mit β-Faltblattstruktur beruhen. Eine der am häufigsten vorkommenden Amyloidformen ist das Amyloid vom AA-Typ, das sich von Serum-Amyloid-A-Protein (SAA) ableitet, einem in der Leber gebildeten Akute-Phase-Protein.
Amyloidosen vom AA-Typ können im Zusammenhang mit chronischen, entzündlichen oder tumorösen Erkrankungen entstehen und werden deshalb auch als sekundäre oder reaktive Amyloidosen bezeichnet. Daneben treten aber auch hereditäre, primäre AA-Amyloidosen ohne erkennbares Grundleiden auf, wie sie beispielsweise u.a. bei Chinesischen Shar Pei aus US-amerikanischen Zuchtlinien beschrieben sind. Obwohl es sich hierbei in der Regel um generalisierte Veränderungen handelt, stehen die renalen Ablagerungen meist im Vordergrund und führen letztlich zum Tod der Tiere durch Nierenversagen.
Zitatende

Hinweis:
Aus welchem Zwinger die untersuchte, an generalisierte Amyloidose erkrankte, achtjährige Zuchthündin stammt ist mir leider unbekannt. Mit Sicherheit kann ich jedoch behaupten, dass sie NICHT aus dem Shar Pei Zwinger „vom Oekonom“ kommt!

Was ist „AA-AMYLOIDOSE“?
AA-Amyloidose, auch „Sekundäre Amyloidose“ genannt, ist eine progressive und tödlich verlaufende Erkrankung, die bei einer zunehmenden Anzahl von Shar Pei Hunden mit chronischen Entzündungserkrankungen, wie etwa SHAR PEI FIEBER auftritt.
Das Amyloid entsteht aus einer Degradation von überschüssigem Akute-Phase-Protein Serumamyloid A, das sich durch akute Fieberschübe bilden kann.
Die Symptome der AA-Amyloidose treten üblicherweise generalisiert im Körper auf. Besonders betroffen sind Niere, Milz, Leber und Nebennieren.
Die Niere ist dabei das am häufigsten betroffene Organ. Die krankhaften Proteine können sich um zu- und ableitende Gefässe oder um die feinsten Kapillargefäße ansammeln. Die Folge ist in jedem Fall ein Funktionsstörung der Niere. Im Endstadium kommt es zur Niereninsuffizienz.

DIAGNOSE:
Die Diagnose "generalisierten AA-Amyloidose" kann anhand der klaren klinischen Symptome mit hoher Wahrscheinlichkeit vermutet werden.
Zum Nachweis der Diagnose ist immer eine Biopsie (Gewebeprobe) erforderlich. Diese muss aus dem am häufigsten betroffenen Organ, der Niere entnommen werden.
Eine hereditäre Form der Amyloidose bei Shar Pei Hunden zeigt sich durch ausgeprägte Amyloidablagerungen im Nierenmark bei einer vergleichsweise geringgradigen Beteiligung der Glomerula. Bei den betroffenen Shar Pei Hunden wird darüber hinaus über ein gehäuftes Auftreten schmerzhafter Schwellungen im Bereich der Tarsalgelenke sowie über intermittierendes Fieber ungeklärter Ursache (FSF) berichtet, siehe auch meinen Report SHAR PEI FIEBER .

Zitat aus der Veröffentlichung © 2006 Schattauer GmbH, Tieraerztl Prax 2006; 34 (K): 108-11. - aus „Generalisierte Amyloidose bei einer Shar-Pei-Zuchthündin“- Dr. K. Kamenica und Prof. Dr. W. Hermanns -:

„Die klinische Verdachtsdiagnose einer renalen Amyloidose kann durch die histologische Untersuchung einer Nierenbiopsieprobe abgeklärt werden. Hierbei ist jedoch zu bedenken, dass die Amyloidablagerungen bei der familiären Amyloidose der Shar Peis überwiegend im Mark nachweisbar sind. Bei ausschließlich aus der Nierenrinde entnommenen Bioptaten kann es daher bei dieser Rasse zu falsch negativen Ergebnissen kommen, falls die im histologischen Schnitt beurteilbaren Glomerula nicht ebenfalls Amyloidablagerungen aufweisen.
Aetiologie und Pathogenese der familiären Amyloidose der Shar Peis sind letztlich nicht vollständig geklärt. Diskutiert werden in diesem Zusammenhang Abweichungen in der Aminosäurensequenz des Akute-Phase-Proteins SAA, dem Vorläuferprotein
von Amyloid AA, die ein vermehrtes Vorkommen von β-Faltblattstrukturen im Molekül bedingen (12). Rivas et al. (21) hingegen stellten bei Shar Peis mit intermittierendem Fieber und renaler Amyloidose hohe Serumspiegel von Interleukin 6 fest und postulieren eine zytokininduzierte vermehrte Synthese von SAA als Ursache der familiären Amyloidose.“
Zitatende

Es ist zweifelfrei Stand der Forschung, daß beim Shar Pei das sogenannte „Familiäre Shar Pei Fieber“, in Verbindung mit dem „Shar Pei Swollen Hock Syndrom“ (schmerzhafte Ablagerungen in Gelenken) mit einer progressiven „Amyloidose“ und „Polyarthritis“ einher gehen kann. Die Phänotypen der genetisch übertragenen Proteinstoffwechselerkrankungen können häufig auf eine autosomal dominierende Art und Weise zurück geführt werden.
In vielen Fällen wird die Diagnose erst nach dem Tod durch die Autopsie gestellt. Alle betroffenen Shar Pei Besitzer sollten (müssen) nach dem Tod Ihres Hundes eine „Nekropsie“ (pathologisch-anatomische und histologische Untersuchung) veranlassen, damit offiziell die schwerwiegendsten Veränderungen der Niere, mit besonderer Beteiligung des Nierenmarkes und den andern Organen nachgewiesen werden kann.
Eine Obduktion sollte aber nicht nur der Diagnose und der Datengewinnung zur Klärung der tödlichen Erkrankung des Shar Pei Hundes dienen.

THERAPIE:
Derzeit gibt es für den veterinärmedizinischen Bereich keine wirkungsvolle Therapie zur Behandlung oder gar Heilung von AA-Amyloidose. Soviel mir bekannt ist, starben ein Grossteil aller mit der Krankheit diagnostizierten Hunde innerhalb von kurzer Zeit nach der Diagnose.

Als Fazit meiner Erfahrungen, Recherchen und Schlussfolgrungen komme ich zu der Schlussfolgerung, daß zurzeit nur Vorsorgemaßnahmen und entsprechende medizinische Behandlungen der verursachenden Grundkrankheit, chronischen Infektion oder Entzündung, das Fortschreiten dieses "AA Amyloid- Typs“ verlangsamen können!
Eine frühe Vorsorgetherapie der Grundkrankheit, in unserem Fall „Shar Pei Fieber“, kann eine Nierenamyloidose bei noch normalem Serum-Kreatininwert deutlich bessern.
Es ist extrem wichtig die Temperatur des Hundes bei „Familiaeres Shar-Pei Fieber“ zu überwachen und abzusenken!
Aus meiner Sicht kommt es im Wesentlichen darauf an, dass beim Auftreten der typischen Symptome des „Shar Pei Fiebers“ “, unverzüglich ein fiebersenkendes und schmerzlinderndes Medikament verabreicht wird. Wie bereits gesagt, das Amyloid entsteht aus einer Degradation von überschüssigem Akute-Phase-Protein Serumamyloid A, das sich durch akute Fieberschübe bilden kann.

Bei sehr hohem Fieber (ca. 41,0° bis 42,0° C) soll sich die sofortige Medikation mit „Asprin“„Metacam“ bzw. Rimadyl und andere bewährt haben. Ich verwende „Metacam“ und senke damit das Fieber meiner Hündin „Chilly“ sehr schnell ab. Der Schmerz wird dadurch auch stark gemindert.

Aussagen über Produkte und Gesundheitszustände sind durch mich nicht ausgewertet worden.  Alle Informationen über diagnostische und therapeutische Methoden (inkl. Informationen über Medikamente) gelten nicht als persönliche Empfehlung oder Therapievorschlag.

Geben Sie ihrem Hund niemals Medikamente ohne Absprache mit Ihrem Tierarzt!

Die, von dem schon mehrfach erwähnten Hundevermehrer empfohlene Therapie mit der Verabreichung von „Calcium“ (Trinkampullen) ist eine seiner großen Lügen!
Sie hat die notwendige Sofortmedikation mit einem fiebersenkenden und schmerzlindernden Medikament bei so manchem Hund durch die unverständliche Gläubigkeit der Welpenkäufer und Forenmitglieder verhindert und dem Tier mehr geschadet als geholfen!

In der USA, aber nun auch in Europa, werden die Shar Pei, bei denen die „FSF-Fieberschübe“ rückläufig sind, vorbeugend gegen Nierenamyloidosis mit „Colchicin“„Colchicin“ hilft währen der Fieberepisoden nicht! Dieses Medikament kann aber den Druck als Auslöser für die Fieberepisoden verringern und somit den Abstand zwischen den Fieberschüben verlängern.
Eine Colchicintherapie kann effizient sein und muss jedoch lebenslang Tag für Tag durchgeführt werden. Sie kann die Entwicklung einer Amyloidose verlangsamen, bzw. verhindern. Mir sind auch Hinweise bekannt, dass „Colchicin“ jedoch auch Knochenkrebs begünstigen kann.

Ich sage es noch einmal:

„Nur durch eine rigorose Zuchtauslese kann die Erbkrankheit „Shar Pei Fieber“ mit all ihren Leiden und tödlichen Folgen zurück gedrängt werden!“

Das "Kind", unser geliebter Shar Pei, ist bereits in den Brunnen gefallen!

Hanspeter Kobold
Ueberarbeitet Oktober 2007

NACHTRAG  NR.:  01

ZU COLCHICIN:
Colchicin wurde als Therapie für Amyloidose bei Tieren empfohlen. Bei Menschen verhindert Colchicin die Entwicklung von Amyloidose während Familiärem Mediterranen Fieber (FMF). Es scheint die Synthese und Absonderung von Serum-Amyloid A (ein akut Phasenreaktionseiweiß) durch die Leber zu blockieren, wobei die Bildung vom Amyloid-Verstärkungs-Faktor und die Ablagerung von Amyloid vermieden werden. In der Anfangsphase der Erkrankung ist die Wirkung am stärksten. Nach dem Nierenversagen ist Colchicin unwirksam.

Wirkung von Colchicin:
1.   Erhöhte Collagenaseaktivitaet 
2.   Antiphlogistikum – durch reduzierte Leukozytenmigration
3.   Stark wirksamer Hemmer von zellulärer Mitose
4.   Verhindert viele Zellfunktionen wie Degranulation, Chemotaxis und Mitose 
5.   Es scheint die krystallinverursachte Entwicklung von IL-1 stromaufwärts der
      Inflammasomaktivierung zu blockieren. Es ist wahrscheinlich vorteilhaft gegen
      Autoentzündungserkrankungen, weil es die Entwicklung von IL-1
      durch NALP3-Mutationen blockiert.
6.   Colchicin stellt die gestörte homologe Verträglichkeit von Endotoxin wieder her,
      in dem die Monozyten die Synthese von IL-4 während der Remissionsperiode erhöhen.
7.   Colchicin hemmt die periodische Umwandlung von Monozytaktivierung und neutrophiler
      Leukozyteaktivierung
      in Endotoxin, welche in Verbindung mit dem episodischen Charakter von FSF stehen.
8.   IL-4 stimuliert die Einleitung eines Monozyt-Hyporeaktionszustands während FSF.
      Colchicin erhöht die Synthese von IL-4 in FMF-Monozyten.

Vorsicht ist bei der Abreichung von Colchicin bei älteren und entkräfteten Tieren geboten. Während der Schwangerschaft darf es nur verwendet werden, wenn der Nutzen die Risiken aufwiegt. Colchicin kann Übelkeit, Erbrechen und Durchfall bei Hunden verursachen. Es kann auch zu Bauchschmerzen und Appetitverlust führen. Menschen, die es für längere Zeit genommen haben, leiden unter eine Knochenmarkdepression. Es wird abgeraten, Colchicin zusammen mit NSAIS zu verabreichen. 

Ich persönlich verabreiche 0.6 mg (1 Tablette) zweimal täglich an Shar-Pei mit FSF oder an Zuchtlinien mit Amyloidose. Falls sich Probleme abzeichnen, breche ich die Colchicin-Therapie für einige Tage ab. Danach fange ich wieder mit einer halben Dosis an, d.h. eine Tablette einmal täglich oder eine halbe Tablette zweimal täglich. Sobald die Hunde das Medikament vertragen, versuche ich es noch mal mit der vollen Dosis. Colchicin ist für manche Shar-Pei Hunde unverträglich.

Colchicin ist auch ein starkes Vorbeugungsmittel gegen Amyloidose.
Es könnte aber auch sein, dass es keinen Einfluss auf das Auftreten oder die Häufigkeit der Fiebereposiden hat.

Copyright © 2002-2007 Jeff Vidt, DVM,  Alle Rechte vorbehalten.

Übersetzung: „premier translation“, Oktober 2007

Hinweis
Die Inhalte seiner Beiträge werden vom Autor nach bestem Wissen und Gewissen dem jeweiligen Besucher zur Verfügung gestellt. Die Informationen auf den Seiten http://www.familial-shar-pei-fever.de/ ersetzen nicht die professionelle Diagnostik, Beratung und Therapie durch einen Tierarzt! Sie stellen nur ein Informationsangebot dar. Diese Informationen wurden im guten Glauben und im Vertrauen auf die professionelle Integrität seiner Quellen hier möglichst originalgetreu wiedergegeben. Aussagen über Produkte und Gesundheitszustände sind nicht durch den Autor dieser Webseite ausgewertet worden  Alle Informationen über diagnostische und therapeutische Methoden (inkl. Informationen über Medikamente) gelten nicht als persönliche Empfehlung oder Therapievorschlag. Geben Sie ihrem Hund niemals Medikamente (Heilkräuter eingeschlossen) ohne Absprache mit Ihrem Tierarzt! Da der Autor selbst nicht über medizinische Kenntnisse verfügt, übernimmt er auch keine Haftung der angebotenen Informationsbereitstellung.

Hanspeter Kobold
Dezember 2007

Die Rechte und das Copyright liegen beim Verfasser. Alle Rechte vorbehalten.Eine Weiterverbreitung in jeglicher Form (auch auszugsweise) ist nur mit ausdrücklicher schriftlicher Genehmigung gestattet. Anregungen, Hinweise oder sonstige Kritik sind mir jederzeit willkommen

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