Generalis. Demodikose

DEMODIKOSE
Die wohl gefürchtetste Milbenerkrankung, eine der schwersten Hauterkrankungen, wird durch die Haarbalgmilbe Demodex canis hervorgerufen, die vorwiegend in den Haarfollikeln der Hunde lebt. Die Milben (Ektoparasiten)  sind so klein, dass man sie mit dem bloßen Auge nicht sehen kann!

In den letzten Jahren treten bei Shar Pei Hunden immer häufiger Fälle dieser Hauterkrankung „Demodex" auf. Liegt es daran, daß die Hunde nun mit schlechteren Aufzucht- und Haltungsbedingungen groß werden  oder daran, dass Veränderungen im Erbgut durch unqualifizierte Züchter bei der Verpaarung von genetisch belasteten Elterntiere weiter gegeben werden? 

Sicher müssen bei den Beteiligten, in erster Linie jedoch bei den Züchtern, den Zuchtwarten und Vereinen, spätestens dann alle Lichter angehen, wenn ganze Würfe an generalisierter Demodex erkranken.  Ist das so mit der Erläuchtung?

Bekannt sind zwei verschiedene Formen der Demodikose, die generalisierte und die lokalisierte Form.

Aufgrund meiner selbst gemachten Erfahrungen möchte ich mich in erster Linie mit der generalisierten Form der Demodikose bei Shar Pei Hunden beschäftigen.
An anderer Stelle und im Zusammenhang mit Ohrenentzündungen beim Shar Pei werde ich über die „demodektische Otitis externa“ berichten. Bei dieser Erkrankung treten die Milben im äußeren Gehörgang im Cerumen auf.

Generalisierte, erbliche Demodikose (Demodex canis)
Kommt eine Demodikose gehäuft vor, ohne daß äußere Einflüsse für eine Schwächung des Immunsystems verantwortlich sind, liegt eine generalisierte Demodikose vor.
Heute gehen Wissenschaftler und Veterinäre davon aus, dass die generalisierte Demodex vermutlich ein autosomal rezessiv vererbter spezifischer Immundefekt  (nicht näher spezifizierten Defekt von T-Lymphozyten) gegenüber den Demodexmilben und somit eine sekundäre  Induktion, einer unterschiedlich starken zellvermittelten Immunsuppression ist.
Bei dieser Annahme geht man auch davon aus, dass der Hund nicht unter dem Einfluss einer erworbenen Immunschwäche, auch nicht unter dem Einfluss einer Cortison-Behandlung oder Tumore steht.

Ich betone: „Für die generalisierte, erbliche Demodikose ist die Rasse der  Shar Pei  prädisponiert!“
Das Immunsystem ist geschwächt, und der Hund ist anfällig für allerlei Krankheiten, so auch für die generalisierte Demodikose.
Diese Form tritt bei jungen Hunden im Alter von 3 Monaten bis ca. 2 Jahren auf.
Oft sind alle Würfe einer Hündin betroffen. Hier kommt es vor, daß jeweils nur ein Teil des Wurfes Symptome zeigt.

Die Demodex- (Haarbalg-) Milben werden von der erkrankten (Zucht-) Hündin nur in den ersten drei Tagen mit und über die Muttermilch auf die Welpen übertragen.
Ansonsten gehört die Milbe Demodex canis zu den normalen Hautbewohnern, die auch bei gesunden Hunden in kleiner Menge in der Haut und im Gehörgang vorkommen können.

Im Falle einer klinischen Demodikose vermehren sich die Milben jedoch ganz enorm.
Interessant ist in diesen Zusammenhang auch der wissenschaftlich geführte Nachweis, daß Welpen, die durch Kaiserschnitt geboren und mutterlos aufgezogen werden, frei von Haarbalgmilben sind.

Die generalisierte Demodikose ist eine ernste zu nehmende Erkrankung des Hundes, insbesondere dann, wenn eine bakterielle Hautinfektion dazukommt (Staphylokokken oder Streptokokken). Der Verlauf der Erkrankung hängt vom Schweregrad des Immundefekts ab. Entscheidend ist natürlich auch, in welchem Maß eine sekundäre bakterielle Infektion vorliegt und diese zu einer Unterdrückung von Immunreaktionen geführt hat. Die Veränderungen treten oft erst nach Absetzen der Welpen vom Muttertier auf.
Die Hautveränderungen zeigen sich zunächst an diejenigen Hautstellen, die im Neugeborenenalter den engsten Kontakt mit der Mutterhündin hatten, also am Kopf, Lefzen, Augenlidern und Vorderbeinen. Besonders hartnäckig können die Pfoten befallen sein. Es folgt eine Ausbreitung auf Hals, Brust, Bauch und Schenkelfalten. Es treten nicht sofort erkennbarem Haarverluste und gleichzeitig Schuppenbildung und Rötung der Haut auf. Zahlreiche haarlose, schuppige Herde fließen dann zusammen. Am Kopf, im Bereich der Augen sind Veränderungen festzustellen, die einer Brillenbildung ähneln. Die infizierte und entzündete Haut bildet zusätzlich ein angenehmes Klima für die Demodex-Milben, die sich hier noch mehr und rasant vermehren.

Zu eine Generalisierung kommt es dann meist sehr rasch!

Nachfolgende bakterielle Infektionen treten regelmäßig auf. Sie sind  häufig mit Juckreiz und Schmerz verbunden. Durch diese Sekundärinfektion mit Bakterien entstehen grossflächige, nässende, eitrige Ekzeme mit dunkler Verfärbung der Haut und Krustenbildung. Nicht selten kommt es zu einer generalisierten Lymphadenopathie (Schwellung aller Körperlymphknoten) sowie schweren Allgemeinstörungen und Fieber. Durch Bakterientoxine und Entzündungsmediatoren werden auch andere Organe geschädigt. Durch eine  Blutvergiftung kann es zum Tod des erkrankten Hundes kommen.

Diagnose:
Ein Defekt der zellulären Immunantwort liegt bei der generalisierten Demodikose beim Hund vor. Die Erstellung eines Immunstatus sollte Voraussetzung für eine sorgfältige Diagnose sein, mit dem man eine vorhandene T-Zellsuppression nachweisen kann (s. Vergleichswerte).
Weiterhin halte ich es für angebracht, dass vor einer systemischen Therapie  ein Arzeneimittelunverträglichkeit - MDR1-Defekt, ausgeschlossen werden kann.
Die Tierärztin, bzw. der Tierarzt muss mehrmalig tiefgründige Hautgeschabsel (Nachweismethode für Demodex-Milben) vom erkrankten Hund entnehmen. Dabei werden obere Hautschichten mit einem Spatel oder scharfen Löffel abgeschabt. Das so gewonnene Material wird mit 1-2 Tropfen Glycerin oder 10%iger Kalilauge vermischt, auf einen Objektträger verbracht und mit einem Deckglas abgedeckt. Das Präparat wird dann anschliessend unter dem Mikroskop bei 100facher Vergrößerung untersucht. Hierbei können die Milben festgestellt und deren Vitalität beurteilt werden.  Unter dem Mikroskop sieht diese Milbe länglich aus. Am vorderen Teil ihres Körpers hat sie acht Beine.
In besonderen Fällen, speziell beim Shar Pei, der sehr tief liegende Haarfollikel hat oder auch wenn die Pfoten befallen sind, braucht es eine Hautbiopsie zur Diagnose. Die Hautbiopsie wird je nach Feststellung unter einer lokalen Anästhesie oder einer allgemeinen Narkose entnommen. Dabei werden mehrere kleine Hautstücke chirurgisch entnommen und im Labor histologisch beurteilt.

Wie bereits zuvor gesagt, sind in den meisten Fällen diejenigen Hautstellen betroffen, die im Neugeborenenalter den engsten Kontakt mit der Mutterhündin hatten (Kopf, Lefze, Augenlider, Vorderbeine).

Therapie:
Grundsätzlich muss das betroffene Tier, bei Welpen auch das meist unauffällige Muttertier behandelt werden! Demodikose bereitet oftmals therapeutische Schwierigkeiten.
Es ist sehr zu empfehlen, dass der erkrankte Hund vor der notwendigen Therapie (Chemo) einem genetischen Test auf Vorliegen eines MDR1-Defekt unterzogen wurde.
Wird der Defekt MDR1 nt20(del4) nicht nachgewiesen, liegt zum Zeitpunkt des Testes ein funktionsfähiges MDR1-Transportsystem vor und bei der Arzneimitteltherapie  zur Bekämpfung der Haarbalgmilbe müssen keine besonderen Massnahmen getroffen werden!
Der genetische Test auf Vorliegen eines MDR1 nt20(del4) – Defektes wird am Institut für Pharmakologie und Toxikologie, Fachbereich Veterinärmedizin, Justus-Liebig-Universitaet Gießen durchgeführt. Der Test bietet Tierärzten, Züchtern und Hundebesitzern eine sichere und einfache Gelegenheit, Ivermectin-sensitive Hunde zu identifizieren. Näheres können Sie unter dem Link: MDR1 nachlesen.

Zur Behandlung von generalisierter Demodex canis benötigt man eine grosse Geduld und einen langen Atem (mindestens 4-6 Monate). Die Therapie ist kostenintensiv! In Fachkreisen geht man davon aus, dass ca. 70% der Krankheitsfälle heilbar sind. Hier wird es im Besonderen darauf ankommen, dass der Hundehalter sich streng an die Therapievorgaben der Tierärztin, bzw. des Tierarztes hält und die regelmaessigen Kontrolluntersuchungen durchführen läßt. Die meisten angeblichen therapie-widerstandfähigen Fälle sind in Wirklichkeit nur nicht lange und intensiv genug behandelt worden.

Eine „absolute Kontraindikation“ verbietet die Behandlung mit Kortisonpräparaten wegen deren negativer Wirkung auf die Immunabwehr in jeder Anwendungsform. Falls bereits eine Kortisonbehandlung, aus welchen Gründen auch immer, erfolgte, müssen die Präparate umgehend abgesetzt werden.

Kortisonpräparate dürfen bei Hunden mit ererbter generalisierter Demodikose auch nach erfolgreicher Behandlung der generalisierten Demodikose nur noch nach strenger Diagnose des danach vorgefundenen Krankheitsbildes sowie sorgfältiger Abwägung von Risiko und Nutzen angewandt werden

Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung der Demodikose ist auch, dass die Tieraerztin, bzw. der Tierarzt (Dermatologe)  alles tun, um die die Konstitution des betroffenen Hundes zu stärken. Eine Wurmkur ist genau so wichtig wie die Verbesserung der Haltung und der Verpflegung deines Shar Pei. Auch eine extra Gabe von Vitamin E kann einen guten Einfluss haben.

Zur Bekämpfung der Milben ist eine intensive, systemische und lokale Therapie erforderlich. Die Therapie umfasst Badebehandlungen mit antiparasitären Lösungen und Shampooanwendungen. Zurzeit ist in Deutschland das Mittel Amitraz, Markenname Ectodex (Bayer) gegen Demodex offiziell zugelassene.  Es gibt aber noch zwei Alternativen. In Tablettenform gibt es Interceptor von Ciba Geigy und zum oralen Gebrauch Ivomec von MSD.

Wenn ich eingangs geschrieben habe, dass die generalisierte Demodikose wohl die gefürchtetste Milbenerkrankung ist, dann wird das durch den Beipackzettel zu Ectodex (Amitraz) bewiesen. Amitraz ist ein Akarizid, das als ein Hemmstoff des Enzyms Monoaminooxigenase (MAO) zu Paralyse und Tod von Demodex- und anderen Milben führt.
Das Mittel Amitraz hat derart schwerwiegende Nebenwirkungen die manchmal sogar fatal sein können. Schon mit Blick auf diese möglichen negativen Auswirkungen kann es einem Angst und Bange werden. So z.B. sollte Amitraz aufgrund seiner Wirkung auf den Glucosestoffwechsel bei diabetischen Hunden nicht angewendet werden. Die Waschlösungen Amitraz darf nicht auf grössere Wunden aufgebracht werden.

Trächtige oder säugende Huendinnen sowie Welpen dürfen nicht mit Amitraz behandelt werden.

Der Hundehalter sollte bei den Waschbehandlungen seines Hundes immer Schutzhandschuhe und –brille tragen!

Die Therapie und deren Kontrolle muss in der Regel über mehrere Monate durchgeführt werden.

Die Tieraerztin, bzw. der Tierarzt sollte den Hund alle 2-3 Wochen sorgfältig untersuchen und mit einem Hautgeschabsel die klinische Besserung bzw. Heilung kontrollieren. Hierbei sollten die Gesamtzahl der Milben, das Verhältnis lebende zu tote Milben und das Verhältnis erwachsene Milben zu Milben im Jugendstadien festgestellt und in das Verhältnis zur vorangegangenen Kontrolluntersuchung gesetzt werden.
Wenn zwei Geschabsel hintereinander negativ sind, sollte die Therapie noch 4 Wochen fortgesetzt werden. Erst danach ist davon auszugehen, dass der Hund als geheilt angesehen werden kann. Eine verfrähte Einstellung der Therapie kann häufig zu Rückfällen führen.

Zuchtausschluss:
Einige Hunde neigen dazu, an generalisierter Demodikose zu erkranken. Diese Neigung wird an die Welpen weiter vererbt.
Obwohl der Erbgang der hereditären generalisierten Demodikose nicht eindeutig geklärt ist, sollten Hunde mit dieser Erkrankung sowie deren Elterntiere aus medizinischen und ethischen Gründen von der Zucht ausgeschlossen werden. Hündinnen sollen kastriert werden, zumal sich die Erkrankung unter dem Einfluss von Läufigkeit, Scheinschwangerschaft, Schwangerschaft und Stillen verschlimmern kann.

Hinweis:
Referenzwerte zur Immuntypisierung beim Hund:
 
 Leukozyten-Antigen
 Referenzbereich (in%)
 T-Zellen  CD3  67 - 88
 Helfer-T-Zellen  CD4  31 - 44
 Zytotoxische T-Zellen  CD8  15 - 31
 Verhältnis:
 Helfer-/Zytotoxische T-Zellen
 Ratio CD4 / CD8  1,13 / 2,31

 B-Zellen

 B-Zellantigen  6 - 19













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Hanspeter Kobold
Bremen, im Januar 2008

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