Kongen. Entropium

„Das kongenitale ENTROPIUM bei SHAR PEI HUNDEN“

Es ist mir ein großes Anliegen, meine Erfahrungen und Feststellungen zu diesem Thema einer breiten Öffentlichkeit und in diesem besonderen Fall „Shar Pei Liebhabern“ zur Verfügung zu stellen.
„Das kongenitale ENTROPIUM“ – „Eine vererbte Augenkrankheiten“ ?

Also klar und unmissverständlich:

„Das KONGENITALE ENTROPIUM ist eine LINIENBEDINGTE ERBKRANKHEIT“,
ein ANGEZÜCHTETER GENETISCHER DEFEKT“! 

Tatsächlich ist der Shar Pei prädisponiert für das kongenitale Entropium!
Wissenschaftler nehmen an, daß die Vererbung polygen geschieht. 
Angeborene oder kongenitale Krankheiten sind bei der Geburt bereits vorhanden oder manifestieren sich kurz danach.
Von einigen Züchtern wird zwar immer wieder betont, dass das kongenitale Entropium überhaupt keine grosse Rolle spielen würde. Man habe es in der Regel fast immer mit einem „spastischen Entropium“ zu tun, das bei Welpen oftmals durch den Welpentritt der Geschwister, am Gesäuge des Muttertieres, verursacht werden würden, so die Interpretation (Ausrede) oder ähnlich!

Dabei ist es doch für einen Tierarzt so einfach zwischen beiden Entropium - Erscheinungen zu unterscheiden: „Wenn der Augenkrampf, geschlossene Lider, nach Einflössen eines örtliche wirkenden Betäubungsmittel fortbesteht, gibt es keinen spastisches, sondern nur ein kongenitales Entropium!“

Ungefähr 7-14 Tagen nach der Geburt öffnen die Welpen ihre Augen. Das ist der erste „Augenblick“ an dem ein Welpe gerade etwas sehend erleben kann!

Das zweite „Erlebnis“ kann dann ganz schnell kommen!

Nämlich dann, wenn der betroffene Welpe die ersten Tränen vergießen muss und beide Augen schnell wieder zukneift – vor großen Schmerzen - !
Dieser Welpe hat dann leider die angeborene Erkrankung, das „kongenitale Entropium“, durch die gezielte Verpaarung seiner Eltern vermittelt bekommen!

Die Übertragung der Erbkrankheit „Entropium“ wäre vermeidbar gewesen, wenn der Züchter eine verantwortungsvollen Auswahl der Zuchttiere vorgenommen hätte.  Elterntiere, die linienbedingt, also selbst mit „ENTROPIUM“ belasteten sind, müssten selbstverständlich  aus seiner Zucht ausgeschlossen sein!

Was ist ein „ENTROPIUM“ - Ursache?
Die Lidfehlstellung, das Entropium ist ein Defekt des oder der Augenlider, bei dem sich der freie Lidrand (meist das Unterlid) teilweise oder über die gesamte Länge nach innen rollt (pathologische Stellung: nach innen = Entropium). Umgangssprachlich wird das Entropium auch „Rolllid“ genannt, bei welchem die ordentliche Lidfunktion und somit der Schutz des Auges nicht mehr gewährleistet ist.

Die Lider bestehen aus zwei beweglichen Hautfalten, dem Ober- und dem Unterlid. Sie haben eine wichtige Schutzfunktion für den Augapfel. Sie schützen den Augapfel vor Fremdkörpern, aber auch vor zu starkem Licht. Bei Gefahr können sie mittels eines reflektorischen Lidschlages blitzschnell geschlossen werden. 6- bis 12-mal pro Minute erfolgt ein unwillkürlicher Lidschlag, der den Tränenfilm der Tränendrüse gleichmäßig auf der Hornhaut verteilt und sie damit regelmässig befeuchtet.
An den Lidern gibt es verschiedene Lidranddrüsen. Die Öffnungen dieser Drüsen liegen unmittelbar auf der Lidkante und bilden dort eine Reihe von kleinen gelblichen Punkten, die feine ölige Absonderungen hervor bringen. Diese Öle sind ein wichtiger Bestandteil eines stabilen Tränenfilms zum Schutz der Hornhaut.
Die Lidränder an sich sind haarlos (keine Wimpern), so dass bei einem Einwärtskehren des Lides die Fellhaare auf dem Auge zu reiben beginnen.
Ein Entropium führt immer zu tränenden Augen, Schmerzhaftigkeit, verbunden mit Zukneifen und Blinzeln, Bindehaut- und Hornhautentzündungen.

Durch das Schleifen der Haare auf der Hornhaut (Kornea) kann es zu kleinen Defekten, z.B. einem chronischen Reizzustand der Bindehaut mit Rötung und Tränen führen. Die dadurch verursachte ständige Reizung führt dazu, dass die Betroffenen die Augen krampfhaft geschlossen halten (Lidkrampf). Der mechanische Einfluss, Schleifen der Haare auf der Hornhaut kann weiterführend zu Entzündungen und nachfolgend zu Geschwüren und Vernarbungen auf der Hornhaut führen. Daraus ergibt sich für den betroffenen Hund dann auch eine Sehschärfenverminderung.
Im schlimmsten Fall können durch die Entzündungen entstehende Hornhautgeschwüre (Ulkus korneae) durchbrechen, d.h. zu einem „Loch“ in der Hornhaut führen. Ein Ulkus korneae ist immer eine sehr ernst zu nehmende Erkrankung, die zum Verlust des betroffenen Auges führen kann.

Entropium wird von Tieraerzten als ophthalmologischer Notfall eingestuft, da Hornhautgeschwüre (Ulzera) schnell entstehen und die Hornhaut perforieren können.

"Symptome":
        # Das Einwärtskehren des Lides, meist Unterlid,
        # Fremdkörpergefühl für den Hund, somit Reiben mit der Pfote,
        # Blinzeln, Tränenfluss,
        # Lichtscheue,
        # Zukneifen, das betroffene Auge krampfhaft geschlossen halten,
        # eine chronische Reizung der Bindehaut,
        # Bindehautentzündung, Bindehaut ist gerötet und Auge tränt,
        # Hornhauterosionen,
        # Infektionsgefahr für die Hornhaut,
        # Bildung von Hornhautgeschwüren, (Hornhautulcus),
        # krankhafte Neubildung von Gefässen,
        # Bildung eines eitrigen Sekrets,
        # Verklebung des Auges,
        # kein Appetit,
        # kein Gewichtszuwachs der betroffenen Welpen.

Differenzierung:
Man unterscheidet verschiedene Formen der Lidfehlstellung:

A. Das kongenitale (angeborene) Entropium:
Das kongenitale (angeborene) Entropium, welches sich sehr oft im Laufe der ersten Lebenswochen bzw. Monate bei zugrunde liegender genetischer Disposition entwickelt, ist eine Erbkrankheit, das den heranwachsenden Welpen sehr qält! Allerdings kann ein erblich bedingtes Entropium auch später im Leben auftreten.
Die Diagnose ist durch die auffallende Lidfehlstellung leicht zu stellen. Der Tierarzt kann durch Untersuchung an der Spaltlampe außerdem feststellen, wie ausgeprägt das Haareschleifen ist und ob die Hornhaut bereits Schäden erlitten hat.
Das angeborene Entropium ist rassetypisch und tritt familiär gehäuft auf. Wie bereits eingangs gesagt, geht man davon aus, dass die Vererbung polygen geschieht, d.h. es ist kein einfacher Erbgang, wie z.b. ein dominanter/rezessiver. Es können mehrere Gene beteiligt sein. Auch wenn der genaue Erbgang nicht wissenschaftlich belegt ist, sollte das für den „verantwortungsbewussten Züchter“ immer ein Grund sein, einen vom linienbedingtem „kongenitalem Entropium“ betroffenen Hund als Zuchttier auszuschließen!
Als Züchter zu schweigen und belastete Hunde vorsätzlich (aus profitablen Gründen) in der Zucht einzusetzen, hilft unseren Hunden nicht und bringt die Rassehundezucht auch nicht weiter. Ganz im Gegenteil! Ich nenne diese Verhaltensweise eine strafrechtlich relevante, vorsätzliche und vollendete Tierquälerei an den Nachkommen der belasteten Elterntiere.
Ich habe es schon oft gesagt und wiederhole mich immer wieder: „Betroffene Hunde müssen aus der Zucht ausgeschlossen werden, auch wenn sie durch einen operativen Eingriff eine normale Lidstellung erhalten haben!“
Durch den Zuchtausschluss wird zumindest eine Verringerung der genetischen Weitergabe dieses Defekts erreicht. Diese zuchthygienische Maßnahme wird weltweit von vielen Wissenschaftler und Experten nachhaltig gefordert. Im Interesse gesunder „Shar Pei Zuchten“ kann die Strategie seriöser Züchter nur lauten:
Zuchtverbot für Tiere mit angeborenem Entropium.“
 
B. Das erworbene Entropium:
Das erworbene Entropium entwickelt sich nach vorhergegangenen Einflüssen am Auge, z.B. nach Verletzungen zum Narbenentropium oder anderen schmerzhaften Erkrankungen des Auges zum spastische Entropium.

C. Das spastische Entropium:
Wie bereits zuvor gesagt, kann man dieses schmerzbedingte (spastische) Entropium recht einfach diagnostizieren, in dem der Veterinär das betroffene Auge örtlich betäubt. Nach der örtlichen Betäubung (der Schmerz wird nicht mehr empfunden) öffnet das Tier das Auge wieder. Dieser Test ist von großer Bedeutung. Mit der örtlichen Betäubung kann man die Form des spastischen Entropiums von anderen Formen unterscheiden und die Ursache des Schmerzes (Entzündungen) entsprechend behandeln und beseitigen.

D. Das Entropium senil:
Das Entropium senil kann bei älteren Tieren dann auftreten, wenn ein Verlust der Lidspannung durch Erschlaffung des Muskeltonus eintritt und somit die Stützfunktion des Augenlides nachlässt. Es kommt dann zum Einrollen des jeweiligen Lides.

Therapiemaßnahmen:
Eine therapeutische Vorbeugung gibt es nicht.
 
Nur eine Operation der betroffenen Lider kann die Lidfehlstellung korrigieren.

Augenerkrankungen niemals mit Kamille behandeln. Das lässt das Auge austrocknen und ruft Reizungen hervor.

A. Das „TACKEN“, eine temporäre Maßnahme:
Das Primärziel des Tackens ist, ernste Beschädigungen am Auge, chronische Bindehautentzündung und/oder Hornhauttrübung zu verhindern!
Tacken oder Raffen, bzw. Anheften des betroffenen Augenlids ist in den meisten Fällen, über 90%, eine temporäre Maßnahme, die aber zu Wiederholungen führen kann. Viermaliges Tacken im ersten Lebensjahr ist bei betroffenen Shar Pei Welpen keine Seltenheit!

Das kongenitale (angeborene) Entropium zeigt sich sehr oft schon in den ersten Lebenswochen der Welpen, kurz nachdem die erkrankten Tiere die Augen zum ersten Mal geöffnet haben. „Entropiumerfahrene Züchter“ tacken, bzw. heften die betroffenen Augenlider dann zum ersten Mal, meist ohne jegliche Betäubung.

Der Züchter, der diese Tackingmassnahmen ohne Lokalanästhesie durchführt, ist in meinen Augen ein Tierquäler und derjenige, der den jeweiligen Lidbereich örtlich betäubt begeht Medikamentenmissbrauch.

Das Raffen (Tacken) der Augenlieder obliegt ausschliesslich ausgebildeten Tierärzten! 

Bis zur Abgabe des Tieres an den Welpenkäufer kann das betroffene Augenlid auch schon zum zweiten Mal getackt sein.

B. Chirurgische Korrektur:
Wie bereits klargestellt gibt es verschiedene Ursachen der Lidfehlstellung, die zu einem Einrollen (Entropium) des Lides führen. Sie alle müssen unterschiedlich korrigiert werden. Deswegen existieren auch unterschiedliche Operationstechniken für diese Krankheit.
Die Entzündungen, die durch ein Entropium verursacht werden, heilen trotz der Anwendung von Augensalben und Tropfen nicht. Nur eine Operation der Lider kann dem Hund auf Dauer helfen.
Die aufwendige Entropium-Operation mit guter Prognose wird in Lokalanästhesie durchgeführt. Dabei wird eine horizontale Verkürzung des Lids vorgenommen, indem ein Teil der Lidhaut und der darunter liegenden Muskulatur unter dem Auge entfernt wird. Der ringförmige Schliessmuskel wird somit geschwächt. Mit dem Zusammennähen der somit entstandenen Wunden wird ein neuer und strafferer Augenwinkel geschaffen. Eine spezielle Nahtführung (drei Nähte) bewirkt, dass ein Zug nach aussen entsteht, wodurch die Einwärtsdrehung der Lidkante aufgehoben wird. Zum Abschluss injiziert man ein Antibiotikum in die vernähte Wunde, um einer Infektion vorzubeugen.
Die Beschwerden lassen rasch nach, da die Haare nicht mehr auf der Hornhaut scheuern.
Bei dieser Augen-Operation ist es zwingend notwendig, dass der betroffene Hund nach der Operation über einen längeren Zeitraum (meist ca. 2 Wochen) einen Halskragen tragen muss.
Das am häufigsten vorkommende Problem nach dieser Operation ist, dass keine völlige Normalisierung der Lidstellung erreicht werden kann; vor allem dann nicht, wenn das Entropium schon seit längerer Zeit bestand.

C.Empfehlungen:
Auffallend ist auch, dass bei Shar Pei Hunden die Erkrankung am Entropium schon weit verbreitet ist. Ich meine, gerade die hohe Häufigkeit betroffener Hunde macht  eine Bekämpfung dieser Erbkrankheit durch eines Zuchtausschlusses aller positiven Tiere zwingend notwendig.
In diesem Zusammenhang ist es auch notwendig,  bei der Verpaarung von Zuchttieren darauf zu achten, dass nicht beide Tiere aus einer Linie stammen.  Also ist auf die Verwandtschaftskoeffizienten zwischen den Paarungspartner streng zu achten, vor allem dann, wenn diese Verbindungen zu Merkmalsträgern haben.
Meiner Meinung nach sollten verantwortungsvolle Züchter durch diese Selbstbeschränkungen auch ein Rückgang der aktuellen Zuchtpopulation in Kauf nehmen. Damit würde die Förderung erblich bedingter Erkrankungen massgeblich eingeschränkt werden.

Durch einen Zuchtausschluss darf es aber wiederum nicht zu einem Anstieg der Inzucht kommen. Diese Vermehrungspraktik kann nur von unverantwortlichen Züchtern (Hundevermehrern) gewählt werden, um so Umsatzausfälle zu kompensieren!
Welpenkäufer, achtet bei der Auswahl eines Welpen auf diese Erbkrankheit!
Achtet darauf, dass die Augenlider geöffnet und das Auge selbst glänzend dunkelbraun ohne Trübung sein müssen!
Lasst Euch vom Züchter die schriftliche Garantie geben, dass die Welpen und die Linie aus der ihre Elterntieren stammen, frei von Augenkrankheiten, also auch frei vom Entropium waren und sind!

Dem VDH und den Rassezuchtvereinen "1.DSPC 85 e. V." und „Club fuer Exotische Rassehunde (CER e.V)“ empfehle ich dringend ein Melderegister für die Zucht des Rassehundes Shar Pei bezüglich des kongenitalen (angeborene) Entropiums einzurichten, in das Zuchtlinien, Zuchttiere und Züchter, mit allen notwendigen Daten aufgenommen werden. Dieses Register sollte auch allen Welpenkäufern zugänglich gemacht werden!
Ich empfehle dem VDH, dem 1.DSPC 85 e. V. und dem CER e.V die Zusammenarbeit mit „Dortmunder Kreis - Gesellschaft für Diagnostik genetisch bedingter Augenerkrankungen – DOK“ um das zuvor angesprochene Register zu erarbeiten.

Diese Gesellschaft für Diagnostik genetisch bedingter Augenerkrankungen bei Tieren e.V. (DOK) mit Sitz in Dortmund führt regelmässige Vorsorgeuntersuchungen auf erbliche Augenerkrankungen bei vielen Rassehunden durch. Es sollte gelingen, mit dieser Gesellschaft auch ein Programm für den Shar Pei zu entwickeln und zu realisieren.

Den Spezial- und Zuchtrichtern für Shar Pei Hunde empfehle ich in den nächsten Jahren mit besonderer Aufmerksamkeit bei der Beurteilung der Shar Pei Hunde auf das Entropium und mögliche Korrekturen (Lidoperationen) zu achten. Hunde mit Entropium sollten, wie in den Satzungen vorgegeben, vom Wettbewerb ausgeschlossen werden.

Im „FCI - Standard Nr. 309 D“, wurde unter ANMERKUNG eindeutig festgelegt:

„Jede künstliche physische Veränderung am Shar Pei (besonders an den Lippen und den Augenlidern) schließt den Hund vom Wettbewerb aus!“

„AUFKLÄRUNG IST DAS THEMA DER STUNDE – REDE TACHELES UND NICHT UM DEN HEISSEN BREI HERUM!“

Ich bitte alle betroffenen Besitzer von „Shar Pei Hunden mit Entropium“ um Mitarbeit an einer Studie zu dieser Erbkrankheit!

SCHWEIGEN SIE NICHT !!!!!

Teilen Sie mir bitte Ihre Erlebnisse und Erfahrungen mit und nennen Sie den jeweiligen Züchter und die Abstammung Ihres betroffenen Shar Pei.

Hanspeter Kobold
Bremen, Dezember 2007

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