MDR1

nt230 (del4) MDR1-Mutation:
 
Da der dringende Verdacht besteht, dass dieser Gendefekt Veränderungen des Erbgutes auch bei Shar Pei Hunden herbeigeführt hat, eröffne ich dieses Thema für interessierte Shar Pei Züchter und Besitzer.

Es ist ja bekannt, dass bei den Hunderassen Collie, Border Collie, Shetland Sheepdog, Australian Shepherd, Bobtail und andere, dieser Gendefekt weit verbreitet ist.

Bei Shar Pei Hunden war mir diese Mutation bisher unbekannt.

Nun liegen mir die ersten Berichte vor, dass auch Shar Pei Hunde von diesem Gendefekt betroffen waren. Es soll zu Vergiftungen gekommen sein, die bereits zum Tod von Shar Pei Hunde geführt haben.

Dieser Gendefekt bewirkt, dass es bei der Anwendung von Arzneistoffen wie Ivermectin, Doramectin, Moxidectin und Loperamid es zu einem vermehrten Übertritt von Arzneistoffen in das zentrale Nervensystem und zum Tode der Hunde kommen kann.

MDR1 gehört zur Familie der sog. ABC-Transporter (ATP-Binding Cassette-Transporter). Das MDR1-Protein (auch als P-Glycoprotein bezeichnet) ist ein Membranprotein, welches aus 1280 Aminosäuren besteht und mehrere intrazelluläre und extrazelluläre Schleifen besitzt. Entdeckt wurde P-Glycoprotein in den frühen 70er Jahren in Krebszellen, die gegen mehrere Zytostatika resistent waren. Für dieses Phänomen wurde der Begriff multidrug-resistance (MDR) geprägt.

Die Funktion des MDR1-Transporters in den Endothelzellen der Gehirnkapillaren an der sog. Blut-Hirn-Schranke inzwischen bekannt. Ein aus dem Blut in die Endothelzelle eingedrungener Fremdstoff (z.B. Ivermectin) wird vom MDR1-Transporter erkannt und durch die Endothelzellmembran zurück in das Blut transportiert. Durch diesen aktiven Transport wird der Übertritt von Fremdstoffen in das umgebende Nervengewebe blockiert. Damit schützt der MDR1-Transporter das Gehirn vor einer Überschwemmung mit potenziell schädlichen Fremdstoffen (funktionelle Blut-Hirn-Schranke).

Das MDR1-Protein ist im Körper weit verbreitet und wird neben der Blut-Hirn-Schranke auch in den Syncytiotrophoblasten der Plazenta sowie den Gefäßendothelzellen der Blut-Hoden-Schranke exprimiert. Außerdem bildet der MDR1-Transporter eine wirksame Absorptionsbarriere für Arznei- und Fremdstoffe im Darm und spielt bei der Arzneistoffausscheidung in Leber und Niere eine bedeutende Rolle. Ohne ein intaktes MDR1-Protein kommt es bei einer Vielzahl von Arzneistoffen zu einer regelrechten Überladung des Organismus mit der entsprechenden Substanz.

Da der dringende Verdacht besteht, dass dieser Gendefekt die sichere Anwendung einer Vielzahl weiterer Arzneistoffe einschränkt, ist eine vorbeugende Diagnose jedes einzelnen Hundes anzuraten.

Ich verweise alle interessierten Züchter, Welpenkäufer und Shar Pei Besitzer auf die Homepage: http://www.mdr1-defekt.de/

Diese Homepage wurde als Hilfsinitiative ins Leben gerufen, um seriösen Züchtern die Möglichkeit zu bieten, neben anderen gesundheitlichen Aspekten in ihrer Hobbyzucht auch den "MDR1-Defekt" als Zuchtkriterium zu berücksichtigen.

Der genetische Test auf Vorliegen einer nt230 (del4) MDR1-Mutation wird am Institut für Pharmakologie und Toxikologie, Fachbereich Veterinärmedizin, Justus-Liebig-Universität Gießen durchgeführt. Der Test bietet Tierärzten, Züchtern und Hundebesitzern eine sichere und einfache Gelegenheit, Ivermectin-sensitive Hunde zu identifizieren. Der Test kann bei allen Hunderassen ohne Altersbeschränkung, nicht jedoch bei anderen Klein- und Großtieren, durchgeführt werden.

Für die Untersuchung wird 1 ml EDTA-Vollblut benoetigt, welches von einem Tierarzt abgenommen werden muss. Schicken Sie die Blutprobe in einem gepolsterten Briefumschlag an folgende Adresse:

Institut für Pharmakologie und Toxikologie
MZI 636, MDR1-Defekt beim Collie
Frankfurter Str. 107
35392 Gießen

Die Gießener Projektgruppe hat im europäischen Raum eine führende Position in der Diagnostik dieses Gendefektes beim Hund.

http://www.vetmed.uni-giessen.de/pharmtox/mdr1_defekt.html

Ich empfehle jedem Welpenkäufer, sich vom Züchter das entsprechende Ergebnis eines durchgeführten Tests auf eine nt230 (del4) MDR1-Mutation bei den Elterntiere und den Welpen vorlegen zu lassen.

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