Qualzucht

Als Qualzucht bezeichnet man bei der Züchtung von Tieren die Duldung oder Förderung von Merkmalen, die mit Schmerzen, Leiden, Schäden oder Verhaltensstörungen für die Tiere verbunden sind. Sie ist für Wirbeltiere in Deutschland nach § 11b des Tierschutzgesetzes verboten.

Das Tierschutzgesetz (TierSchG), Neufassung vom 22. August 2006, in Deutschland ist als Gesetz zu dem Zweck erlassen worden, "aus der Verantwortung des Menschen für das Tier als Mitgeschöpf dessen Leben und Wohlbefinden zu schützen." Grundsätzlich gilt: "Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schaden zufügen" (§ 1 TierSchG).

Das Gesetz ist vor allem verwaltungsrechtlich gestaltet, mit einem Erlaubnisvorbehalt fuer die gewerbsmäßige Zucht, Haltung und/oder dem Handel von Tieren (§ 11).

Das Gutachten zur Auslegung von § 11b des Tierschutzgesetzes (Verbot von Qualzüchtungen) wurde am 2. Juni 1999 im Auftrag des Bundesministeriums für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft veröffentlicht. Es "soll insbesondere allen Züchtern von Heimtieren helfen, ihrer Verantwortung gerecht zu werden und die Vorschriften des Tierschutzgesetzes, welche die Züchtung betreffen, in vollem Umfang zu beachten. Ziel ist das vitale, gesunde, schmerz- und leidensfreie Tier."

Laut einer darin enthaltenen Definition ist die Qualzüchtung gegeben, wenn "... bei Wirbeltieren die durch Zucht geförderten oder die geduldeten Merkmalsausprägungen (Form-, Farb-, Leistungs- und Verhaltensmerkmale) zu Minderleistungen bezüglich Selbstaufbau, Selbsterhaltung und Fortpflanzung führen und sich in züchtungsbedingten morphologischen und/oder physiologischen Veränderungen oder Verhaltensstörungen äussern, „die mit Schmerzen, Leiden oder Schäden“ verbunden sind".

Das Gutachten enthält eine Sammlung von Merkmalen, die nach Meinung der Gutachter zu einem Zuchtausschluss von Merkmalsträgern führen soll. Aus der Liste der betroffenen Merkmale hier zwei Beispiele, die die Zucht des Rassehundes Shar Pei betreffen:

  • Ektropium

Definition: Auswärtsrollen des unteren Augenlidrandes.
Auftreten: Gehäuft bei Basset, Bernhardiner, Bluthund, Bulldoggen, Cocker Spaniel, Neufundländer, Shar Pei
Genetik:
Polygenie mit Disposition bei faltenreicher Haut.
Symptomatik: Der Lidschluss bleibt durch das Auswärtsdrehen des unteren Lidrandes unvollständig. Dies führt zu Tränenfluss, Konjunktivitis und eventuell Veränderungen der Hornhaut.

  • Entropium

Definition: Einwärtsrollen des Augenlidrandes.

Auftreten: Insbesondere Bullterrier, Chow-Chow, Pudel, Rottweiler, Sennenhund und Shar Pei, aber auch bei vielen anderen Rassen.
Genetik: Wahrscheinlich Polygenie, familiaer gehaeuft bei Zuchten mit tiefliegenden und / oder kleinen Augen.
Symptomatik: Der einwaerts gerollte untere oder obere Augenlidrand fuehrt zu sekundaerer Trichiasis mit Hornhaut- und Bindehautirritationen, bis hin zu Konjunktivitis und Keratitis.

Tierschutzgesetz, Neufassung vom 22. August 2006:

http://www.bmelv.de/cln_044/nn_749972/SharedDocs/Gesetzestexte/T/Tierschutzgesetz.html__nnn=true

Gutachten zur Auslegung von § 11b des Tierschutzgesetzes (Verbot von Qualzüchtungen):

http://www.jagdspaniel.de/qualzucht.htm

Im September 2007 

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